Beastly / Tierisch

30. Mai 2015 bis 4. Oktober 2015

Darstellungen von Tieren sind allgegenwärtig: auf Plakatwänden, in Zeitungen, Magazinen 
und Fernsehsendungen und natürlich auf Hunderttausenden von Bildern, die jeden Tag neu 
ins Netz geladen werden. Die Menschen scheinen regelrecht besessen von Tierbildern. 
Gleichzeitig sind Tiere im Zusammenhang mit Artenschutzprogrammen, gentechnischen 
Experimenten oder rechtlichen Fragen auch immer wieder Gegenstand öffentlicher Kontro-
versen. Seit ein paar Jahren untersuchen die sogenannten Animal Studies das Verhältnis 
der Menschen zum Tierreich neu und hinterfragen insbesondere die lange vertretenen 
humanistischen Annahmen über die rein äusserlichen Beziehungen zwischen Tier und 
Mensch. In den Schriften von Jacques Derrida, Gilles Deleuze und anderen Post-Heideg-
gerianern wird das Tier zu einer zentralen Figur für spekulative Untersuchungen, die mit
radikalen neuen Gedanken zu Ethik und Handlungsmacht von Mensch und Tier aufwarten.

Seit den 1970er Jahren haben sich auch Künstlerinnen und Künstler oft mit Tieren be-
schäftigt und traditionelle Darstellungskategorien hinterfragt, um so nicht nur die Be-
ziehungen zwischen Mensch und Tier neu zu denken, sondern auch die eigene kreati-
ve Praxis. Beastly/Tierisch untersucht diese und andere Fragen anhand von Fotogra-
fien und Videos aus den letzten zirka zwanzig Jahren. In einer lebendigen und attrak-
tiven Multimedia-Ausstellung kommen Werke von führenden schweizerischen und in-
ternationalen Künstler/innen und Fotograf/innen zusammen, darunter Nobuyoshi Araki, 
Sammy Baloji, Christoph Brünggel und Benny Jaberg, Balthasar Burkhard, Marcus Coates, 
Revital Cohen und Tuur Van Balen, Nicolas Deveaux, Charlotte Dumas, Sam Easterson, 
Filip Gilissen, Stephen Gill, Jitka Hanzlová, Mishka Henner, Pieter Hugo, Peter Hujar, Anna
Jermolaewa, Simen Johan, Erik Kessels, Elad Lassry, Jochen Lempert, Chris Marker, Pietro 
Mattioli, Katja Novitskova, Alessandra Sanguinetti, Moussa Sarr, Carolee Schneemann, Xu 
Tan und Xiaoxiao Xu. In der Galerie ist ergänzend dazu eine innovative Zusammenstellung 
mit nicht-künstlerischen Fotografien und Filmen zu sehen – darunter Bücher, alte Poster 
und eine grosse Menge von Bildern aus dem Internet.  
Der Ausstellungsparcours beginnt mit Künstlern, die vertraute Arten der Tierdarstellung 
hinterfragen, insbesondere eine traditionelle Perspektive, die (implizit und explizit) stets den
Menschen ins Zentrum stellt: Sam Easterson setzt einem Gürteltier eine Kamera auf und 
hofft, so einer wahrhaft tierischen Sichtweise näherzukommen, während Jitka Hanzlovás 
konzentrierte und genaue Betrachtungen von Pferdekörpern einen egalitäreren Austausch 
zwischen Mensch und Tier nahelegen. Auch tierische Zusammenhänge gewinnen an Bedeu-
tung, zum Beispiel in Gestalt von Vogelschwärmen wie im Film Following von Christoph 
Brünggel und Benny Jaberg. Die unheimlich menschlichen Tierporträts von Peter Hujar und 
Pietro Mattioli wiederum hinterfragen die traditionelle Opposition von (menschlicher) Inner-
lichkeit und (tierischer) Oberfläche. Klassische Serien aus der Geschichte der Fotografie – 
Balthasar Burkhards Escargot – werden mit Beispielen eines neuen digitalen Erhabens kom-
biniert: Die Fotografien von Simen Johan oder Nicolas Deveauxʼ Film 5m80 scheinen die 
Tiere in einen reineren, möglicherweise post-humanistischen Zustand zu versetzen. 
Es folgt ein Kapitel mit kritischerer Perspektive, in dem das Tier als Opfer menschlicher 
Ausbeutung erscheint, sei es durch Kontrolle oder indem es zur Ware degradiert wird. Die
Ausstellung untersucht, wie Tiere in menschliche Abläufe und Leidenschaften verwickelt sind: 
Tiere werden eingesperrt, konsumiert, eingefangen oder anderweitig von der menschen-
gemachten Tierindustrie verschlungen. Die schwindelerregenden Dimensionen der heutigen
Landwirtschaftsindustrie zeigen sich in Mishka Henners Feedlot-Serie während Erik Kesselsʼ 
Reihe mit gefundenen Fotografien (In Almost Every Picture) als ironischer Kommentar zum 
Tier auf unserem Speiseteller verstanden werden kann. Thematisiert wird auch das Haustier
und in Carolee Schneemanns Infinity Kisses das Tier als Objekt menschlicher sexueller Be-
gierde. Gleichzeitig hat das Tier immer öfter eine kritische Funktion, entweder als politische 
Allegorie oder politisch radikales Zeichen, mit dem zum Beispiel in Sammy Balojis Collagen die
kolonialistische Unterdrückung hinterfragt wird. Moussa Sarrs Video L’étalon noir konfrontiert 
uns wiederum mit der These, dass womöglich eine Verdrängung unserer eigenen Animalität 
für solche Unterdrückungen verantwortlich ist.   
Beastly/Tierisch interessiert sich aber auch für selbstreflexive Formen einer künstlerischen
Kritik, vor allem im Bild des Tiers, dessen Status durch die Darstellung verändert wird. So 
zeichnet Elad Lassry die formalen Möglichkeiten nach, wie das Haustier zum visuellen Fetisch 
wird, während Jochen Lemperts präziser Blick auf die Mikrostruktur der fotografischen Ober-
fläche Fragen zur tierischen Verkörperung und Vielfalt aufwirft. Dabei werden die immer
„tierischeren“ Positionierungen von zeitgenössischen Künstlern offengelegt, die eine bio-
zentrische einer auf den Menschen zentrierten Perspektive vorziehen: Marcus Coates schafft 
quasi dreidimensionale Skulpturen, indem er seine eigenen makellosen Tierbilder, die er im 
Stil des National Geographic Magazins fotografiert hat, zerknüllt. Charlotte Dumas filmt in 
Anima ein schlafendes Pferd und suggeriert so nicht nur eine tiefe Verbundenheit zwischen 
Mensch und Tier, sondern schafft es sogar, das Menschliche fast ganz aus der Darstellung des 
Tiers verschwinden zu lassen. Die alte essentialistische Opposition zwischen Mensch und Tier 
wird so immer weiter aufgelöst, die Tiere erscheinen in diesen aktuellen künstlerischen Bild-
welten als eigenständige kreative Wesen, die in unseren Fantasiewelten einen vom Menschen
befreiten Raum erobern. Den Abschluss der Ausstellung bilden Werke, die sich um die tierische
Zukunft drehen, einschliesslich der Möglichkeit, dass in unserer biotechnologisch und digital 
geprägten Gegenwart die tierischen Identitäten immer fabrizierter wirken. Revital Cohen und 
Tuur Van Balens neues Projekt Sterile mit künstlich hergestellten Fischen ohne Reproduktions-
organe suggeriert sogar das Ende einer wie auch immer gearteten sinnvollen Konzeption von
„Natur“. In einer eigens dafür eingerichteten Galerie sind ausserdem nichtkünstlerische Foto-
grafien und Filme aus verschiedenen alltäglichen Bildwelten zu sehen, in denen Tiere omni-
präsent sind: auf Abbildungen in Büchern und Magazinen sowie auf Postern und Postkarten – 
und seit der Jahrtausendwende hauptsächlich als Bilder im Internet, das heute zu einem veri-
tablen virtuellen Zoo geworden ist. Wie formiert sich das Tierische in dieser alltäglichen foto-
grafischen Praxis heute neu? Die Galerie hat den Charakter eines Forschungslabors und Think-
tanks. Die Zuschauer werden aufgefordert, sich aktiv mit diesen Bildern auseinanderzusetzen.
Ausserdem bieten wir ein ausführliches Workshop-Programm auch für Schulen an.
Revital Cohen/Tuur Van Balen
Sterile, 2014
C-Print, 69 x 46 cm
© Revital Cohen und Tuur Van Balen, London
Marcus Coates
Tortoise aus der Serie Ritual for Reconciliation, 2014
Inkjet-Print auf geripptem Reispapier, 56 x 42 cm
© Marcus Coates / Courtesy Kate MacGarry, London
Katja Novitskova
Approximation III, 2013
Digitaldruck auf Aluminium, cutout display, 200 x 150 cm x 35 cm
© Katja Novitskova / Kraupa-Tuskany Zeidler, Berlin
Pieter Hugo
Gabazzini Zuo, Enugu, Nigeria, 2008
C-Print, 102 x 102 cm
© Pieter Hugo. Courtesy of Stevenson, Kapstadt und Johannesburg
Simen Johan
Untitled #174 aus der Serie Until the Kingdom Comes, 2013
C-Print, 109 x 128.3 cm
© Simen Johan, Courtesy Yossi Milo Gallery, New York
Nicolas Deveaux
5m80, 2013
Digitale Animation, 5.27 min.
© Nicolas Deveaux / Cube Creative Productions
Mishka Henner
Tascosa Feedyard, Bushland, Texas, 2012-2013
Inkjet-Print, 149 x 188.5 cm
Courtesy Carroll/Fletcher, London
© Mishka Henner
Charlotte Dumas
Anima, 2012
HD Video, 13.44 min.
Sammlung Fotomuseum Winterthur, erworben mit Mitteln des Prins Bernhard Cultuurfonds
© Charlotte Dumas