Do It Yourself Design

20. März bis 31. Mai 2015, im Schaudepot Toni-Areal

Die Ausstellung „Do It Yourself Design“ im Schaudepot des Museum für Gestaltung Zürich
widmet sich der Verbindung von Design und „Do it yourself“ und fragt: Was bedeutet die
Bewegung des Selbermachens für den Designprozess? Eine integrierte Werkstatt ermög-
licht eine praktische Annäherung an die aufgeworfenen Fragen.

Die „Do it yourself“-Bewegung − auch „DIY“ genannt − hat beinahe jeden Bereich unseres
alltäglichen Lebens und der materiellen Kultur erfasst. Als Folge prägt die Fusion von Pro-
duktion und Konsum verstärkt das Designgeschehen. Die Problemfelder, welche die soge-
nannte „Prosumer“-Kultur dabei aufwirft, reichen von der Dezentralisierung und Demokra-
tisierung der Warenproduktion bis zur Kritik an Massenkonsum und mangelnder Nachhaltig-
keit der Produkte. Das Phänomen des Selbermachens verweist aber nicht zuletzt auch auf
die Wiederentdeckung der Handarbeit und die Freude am sinnlich erfahrbaren Prozess des
Gestaltens.

Zwischen Mainstream und Alternativkultur
Kann uns das Selbermachen von Konsumzwang, Geschmacksdogmen und Gestaltungsnor-
men befreien? Die stetig wachsende Nachfrage nach Bauanleitungen für Möbel und Einrich-
tungsgegenstände gibt Anlass, die Entstehung der heutigen Bewegung zu beleuchten. Im
Rückblick auf die historische Entwicklung – die von den Befreiungsversuchen der Klassi-
schen Moderne über die Gegenkultur der 1960er und 1970er Jahre bis zum heutigen Brei-
tenphänomen führt – lassen sich die zeitge-nössischen Eigenbau-Strategien besser ein-
schätzen. Denn auch im digitalen Zeitalter umreisst der Bereich des „DIY“ ein Feld, das
zwischen den Polen Mainstream und Alternativkultur liegt.
Die zentralen Fragestellungen
In den vier Bereichen: „Was ist Do it yourself?“, „Design für Do it yourself“, „Konsument
& Prosumer“ sowie „Nachhaltigkeit“ werden verschiedene Aspekte des „DIY“ im Bereich
des Möbeldesigns und der Gestaltung von Wohnräumen aufgegriffen und analysiert. Da-
bei werden verschiedene Fragen behandelt: Welcher Lebensstil vermittelt sich durch
selbstgebaute Möbel? Welche Referenzen und Quellen werden dabei herangezogen?
Die Ausstellung verfolgt, über welche Kanäle und in welchen Foren Entwürfe und Bau-
anleitungen ausgetauscht werden. Darüber hinaus untersucht sie die Auswirkungen des
digitalisierten Alltags auf die Art und Weise, wie Möbel entworfen und selbst hergestellt
werden. Der kommerzielle Möbelmarkt reagiert auf die „DIY“-Kultur mit der Anpassung
etablierter Produkte während Designerinnen und Designer versuchen, selbst neue Pro-
duktions- und Vermarktungsstrategien zu entwickeln.

Ein integriertes Konzept von Ausstellen und Vermitteln
Eine offene Werkstatt für Besucherinnen und Besucher ist in die Ausstellung integriert.
Diese ist während der Öffnungszeiten der Ausstellung zugänglich und ermöglicht eine
gestalterische Vertiefung mit einfachen Materialien und Papieranleitungen. Der Leitge-
danke dabei ist, die Idee des Sel-bermachens auf einer Handlungsebene in die Ausstel-
lung einzubinden und dabei grundlegende Fragen erfahrbar zu machen: Welchen per-
sönlichen Mehrwert kann Selbermachen darstellen? Was sind die Möglichkeiten und
Grenzen des eigenen Werkens? Die wöchentlich wechselnden Projekte der offenen
Werkstatt entstanden denn auch in Zusammenarbeit mit Studierenden der Zürcher Hoch-
schule der Künste – die sich im Studium auch solchen Fragen widmen.

Die „DIYD“-Werkstatt lädt darüber hinaus an speziellen Terminen ein, selbst Hand anzu-
legen. In diesen Workshops wird auf verschiedene Aspekte des „DIY“ auf einer gestal-
terischen Ebene fokussiert und sie tragen mit neu gebauten Objekten zur Ausstellung
bei. Gestalterinnen und Gestalter geben Anleitung und Hilfestellung, „DIY“-Objekte zu
bauen. So können zum Beispiel, in einer Kooperation mit dem Studiengang Visuelle
Kommunikation der ZHdK, eigene Postkarten mit Hilfe eines übergrossen grafischen
Baukastens erstellt werden. Das Designerinnen-Duo „Kueng Caputo“ und Studierende
des Objektdesigns der Hochschule Luzern begleiten die Umsetzung von Designideen
im Eigenbau.

Eine Kooperation des Museum für Gestaltung Zürich und des MAK Wien
Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem MAK Wien, wo sie in veränder-
ter Form 2013 unter dem Titel „Nomadic Furniture 3.0. Neues befreites Wohnen?“ zu
sehen war. Der Titel der Ausstellung verweist auf die legendären DIY-Handbücher No-
madic Furniture und Nomadic Furniture 2 von James Hennessey und Victor Papanek
aus den Jahren 1973 und 1974. Das Motto der Bücher – „Mehr haben, weniger besitzen“
– steht ebenso für eine praktische Auseinandersetzung mit den Grundbedürfnissen des
Wohnens wie für eine Suche nach Alternativen zur industriellen Massenproduktion.

Der neue Standort: Museum für Gestaltung – Schaudepot
Im neuen Standort, dem Schaudepot im Toni-Areal, zeigt das Museum für Gestaltung
Zürich Wechselausstellungen und vereint seine Plakat-, Design-, Kunstgewerbe- und
Grafiksammlung mit über 500 000 Objekten. In fast täglich stattfindenden Rundgängen
durch die Archive macht das Museum seine international bedeutenden Sammlungen
der Öffentlichkeit zugänglich. Weitere Informationen zum Schaudepot finden Sie auf
unserer Website oder in der betreffenden Pressemitteilung.
Nicola Stäubli,
Indie Furniture, 2008,
Foto: © Beat Schweizer
Jerszy Seymour Design Workshop,
wrkshpchr red, 2009,
© JSDW
Susi und Ueli Berger,
5-Minuten-Stuhl, 1970,
Nachbau Museum für Gestaltung Zürich, 2014
Foto: Umberto Romito,
© ZHdK
Kueng Caputo,
la lampada a stelo, 2009,
Foto: © Suter Caputo
Van Bo Le-Mentzel,
100 Sec Lamp, 2010,
Nachbau Museum für Gestaltung Zürich, 2014
Foto: Umberto Romito,
© ZHdK
Van Bo Le-Mentzel,
Hartz IV Möbel, 2010-2012,
Foto: © Daniela Gellner