100 Jahre Schweizer Design

27. September bis 8. Februar 2015

Über 800 Objekte präsentieren sich Ende September in den drei neuen Ausstellungshallen
und erzählen die Geschichte eines ganzen Jahrhunderts Schweizer Design. Es ist die Eröff-
nungsausstellung im Schaudepot des Museum für Gestaltung und gleichzeitig die erste um-
fassende Schau von Schweizer Designleistungen.

Bis heute gilt Design aus der Schweiz als ehrlich, präzise, unaufgeregt und benutzerfreund-
lich. Über die Schweiz als Designland bietet die Eröffnungsausstellung „100 Jahre Schweizer
Design“ im Schaudepot des Museum für Gestaltung erstmals einen umfassenden Überblick.
Mit über 800 Exponaten aus der Designsammlung des Museums – der weltweit grössten
Sammlung für Schweizer Design – und spektakulären Leihgaben präsentiert die Schau die
relevanten Designobjekte aus dem Bereich Möbel- und Produktgestaltung. Neben den Ori-
ginalen eröffnen Skizzen, Prototypen, Modelle und Fotografien neue Perspektiven auf
schweizerisches Design. Sie zeigen aber auch, wo uns überall im Alltag Design begegnet.

Alltägliche Dinge neben bekannten Ikonen

In der Schweiz haben ihn alle schon benutzt, sie haben seinen glatt abgerundeten Balken
mühelos nach unten gekippt, das leise Klicken gespürt, und Licht ins Zimmer gebracht. Wer
diesen Kippbalkenschalter in der Firma Feller entworfen hat, weiss man nicht. Ins Rampen-
licht der Schweizer Designgeschichte ist er gerückt, als ihn Max Bill im Rahmen der Ausstel-
lung „Die gute Form“ 1949 als Vorbild und „vielleicht endgültige Form eines Lichtschalters“
anpries. Weitere für die hohe gestalterische Qualität in der Schweiz beispielhafte Alltagspro-
dukte werden von Firmen wie Therma, Embru, Langenthal, Horgen-Glarus, Sigg oder Mam-
mut hergestellt. Über ihren Gebrauchszusammenhang hinaus haben auch einige Schweizer
Entwürfe als weltweit bekannte Ikonen Geltung erlangt, wie etwa der Landi-Stuhl von Hans
Coray, das System USM-Haller oder der Eternit-Strandstuhl von Willy Guhl. Die Ausstellung
zeigt auch weniger populäre aber für die Schweizer Designgeschichte ebenso relevante
Entwürfe wie den Aluminiumstuhl von Alfred Roth oder die Modellreihe Lehrstücke von
Trix und Robert Haussmann. Einige detailgetreue Rekonstruktionen und Fotografien ver-
mitteln die damaligen Präsentationsweisen, und Plakate sowie Prospekte zeugen von der
visuellen Kommunikation über die Produkte.
Ein ganzes Jahrhundert Schweizer Gestaltung
Die Ausstellung ist sowohl chronologisch als auch thematisch gegliedert. Zehn Möbelgrup-
pen leiten als Zeitmass durch die Dekaden des 20. Jahrhunderts: von den regional verwur-
zelten Anfängen um die Jahrhundertwende über „Die gute Form“ der 1950er Jahre bis
zu den Produkten einer jungen, global vernetzten Gestalter-Generation. 30 weitere Aus-
stellungsgruppen greifen einflussreiche zeittypische Themen auf wie Reduktion, Miniaturi-
sierung, Aluminium, Ergonomie, Ordnung, Individualisierung oder Luxus. Parallel dazu wird
die 100-jährige Geschichte des Schweizerischen Werkbunds erzählt. Ein weiterer Raum
widmet sich den aktuellen Entwicklungen im Designland Schweiz. Darin werden zukunfts-
weisende Tendenzen im Schweizer Design sowie Video-Statements namhafter Schweizer
Designer vorgestellt. Diese zeitgenössischen Positionen sind einen Monat länger bis am
15. März 2015 zu sehen.

Ein Abriss der Geschichte des Schweizer Designs
Mit dem Ausbau der Industrie und der Reform des Kunstgewerbes zu Beginn des 20. Jahr-
hunderts entwickelt sich in der Schweiz eine eigenständige, von der Moderne geprägte
Produktkultur. Um 1913 setzt die Diskussion über gute und schlechte Gestaltung mit der
Gründung des Schweizerischen Werkbunds ein. Kleine und mittlere Unternehmen, Hand-
werksbetriebe und Kooperationen stellen funktionale Möbel, Leuchten und Geräte für
den Haushalt seriell her. Nach den streng sachlichen Gebrauchsgegenständen, oft als
Werkentwürfe von anonymen Gestaltern oder Ingenieuren entwickelt, folgen nach dem
2. Weltkrieg organische und ergonomische Formen. Der Designer wird zum Vermittler
zwischen Schönheit und technischer Lösung, zwischen Verkaufsanreiz und Benutzerfreund-
lichkeit. Die Auszeichnung «Die gute Form» des Schweizerischen Werkbunds steuert die
Qualitätskriterien für Schweizer Design bis in die späten 1960er Jahre. Danach setzen sich
auch die Schweizer Gestalter mit der Krise der Moderne auseinander und brechen mit
den Konventionen: Moderne Klassiker werden kritisch hinterfragt, neue Lebensweisen
ausprobiert. Kunst und Design, Handwerk und Industrie, Alltags- und Luxusgüter befruch-
teten einander. Heute knüpft eine junge Gestalter-Generation wieder an vormoderne Tra-
ditionen an, kombiniert technischen Fortschritt mit Geschichte und versteht lokale Kultur
im globalen Kontext.

Ausstellungsgespräche

Mittwoch, 29. Oktober 2014, 18 Uhr
Vom Objekt zum unsichtbaren Design
Thomas Gnägi, Kunsthistoriker und Kurator, Zürich und Leonhard Fünfschilling, Architekt
und ehemaliger Geschäftsführer des Schweizerischen Werkbundes SWB, Zürich

Mittwoch, 21. Januar 2015, 18 Uhr
Subversives im Schweizer Design
Arthur Rüegg, Architekt und Kurator der Ausstellung, Zürich und Trix und Robert Haussmann, Allgemeine Entwurfsanstalt, Zürich

Öffentliche Führungen
Mittwoch, 18 Uhr: 15.10., 29.10., 12.11., 26.11., 10.12.2014, 21.1., 4.2.2015
Sonntag, 11 Uhr: 28.9., 5.10., 12.10., 19.10., 26.10., 2.11., 9.11., 16.11., 23.11., 30.11.,
7.12., 14.12., 21.12., 28.12.2014, 4.1., 11.1., 18.1., 25.1., 1.2., 8.2.2015

Workshops
Rund, glänzend, leicht
Für Familien mit Kindern ab 6 Jahren
Mit Franziska Hess, Kulturvermittlerin
Samstag, 25.10. und 22.11.2014 sowie 17.1.2015, jeweils 14–16.30 Uhr

Ist das Ei faul, hilft das Brüten nichts
Für Schulen, 4.–10. Schuljahr, Berufs- und Mittelschulen
Mit Franziska Hess, Kulturvermittlerin
Informationen und Anmeldung: vermittlung@museum-gestaltung.ch, Tel +41 (0)43 446 66 20

Öffnungszeiten
Dienstag – Sonntag 10–17 Uhr, Mittwoch 10–20 Uhr
Geschlossen: Montags
MEWA Blattmann, Pfeifenkessel TECA, 1949 / Alfred Roth, Aluminium-Stuhl, 1933 / Wilhelm Kienzle, Kakteen-Giesskanne, 1935, Museum für Gestaltung, Zürich, Designsammlung, Foto: FX. Jaggy & U. Romito, © ZHdK
Paillard S.A., Schreibmaschine Hermes Baby, 1938, Museum für Gestaltung Zürich, Designsammlung, Foto: U. Romito, © ZHdK
Willy Guhl, Strandstuhl, 1954, Foto: FX. Jaggy, © ZHdK
Michel Charlot, Leuchte U-Turn, 2012 / Sigfried Giedion, Indi-Leuchte, 1932, Museum für Gestaltung Zürich, Designsammlung, Foto: FX. Jaggy & U. Romito, © ZHdK
Susi und Ueli Berger, Wolkenlampe, 1970, Museum für Gestaltung, Zürich, Designsammlung, Foto: FX. Jaggy & U. Romito, © ZHdK
Wisa-Gloria AG, Dreiradvelo, 1970, Museum für Gestaltung Zürich, Designsammlung, Foto: FX. Jaggy & U. Romito, © ZHdK
Feller AG, Kippbalkenschalter, ca. 1948, Museum für Gestaltung Zürich, Designsammlung, Foto: FX. Jaggy & U. Romito, © ZHdK
Willy Guhl, Modelle zu Scobalit-Stuhl, 1948, Museum für Gestaltung Zürich, Designsammlung, Foto: FX. Jaggy, © ZHdK
Sigg AG, Bettflasche und Trinkflasche 1925 und 1968, Designsammlung, Foto: FX. Jaggy & U. Romito, © ZHdK
Karl Zysset, Knoblauchpresse Zylyss, ca. 1950 / MEWA Blattmann, Pfeifenkessel TECA, 1949, Museum für Gestaltung Zürich, Designsammlung, Foto: U. Romito, © ZHdK
Willy Guhl, Pflanzgefäss Elefantenohr, ca. 1951, Eternit AG, Museum für Gestaltung Zürich, Designsammlung