«Hans Geisen. Weltansichten»

24.3. – 17.6.2018

Von 1967 bis zu seinem Tod im Jahr 1992 kommentierte Hans Geisen (Gei) als Hauskarikaturist der Basler «National-Zeitung» und später der «Basler Zeitung» täglich das Weltgeschehen mit einer pointierten Zeichnung. Sein distanziert ironischer Blick auf internationale politische Entwicklungen war ein weit über Basel hinaus geschätzter Teil der Identität der «Basler Zeitung».
In den feinen Zeichnungen mit dem kleinen schwarzen Raben erscheinen alle Themen und Protagonisten der grossen Umbrüche der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: die Schwere des Kalten Krieges und die Risse im Eisernen Vorhang, das US-Debakel in Vietnam, die Konflikte im Nahen Osten und am Golf, das Ringen der Europäer um Einheit und der gesellschaftliche Wandel in der Schweiz. Viele Zeitungslesende schlugen ihr Blatt gezielt dort auf, wo Geisen die Mächtigen gekonnt demaskierte und auch tragischen Ereignissen mit Humor begegnete.
Hans Geisen wurde 1919 in Koblenz geboren. Pazifismus und der Einsatz für eine demokratische, soziale Gesellschaft wurden im Elternhaus hochgehalten und prägten ihn. Er lernte Schaufensterdekorateur in einem jüdischen Textilgeschäft und wurde Zeuge der Verfolgung jüdischer Mitbürger. 1939 wurde er zum Reichsarbeitsdienst eingezogen und erlebte den Zweiten Weltkrieg zunächst im Balkan und dann auf dem Russlandfeldzug. Ein Jahr vor Kriegsende konnte er sich mit letzten Überlebenden seiner Division nach Moldawien retten. Nach Bordeaux versetzt, geriet er auf der Flucht in US-Kriegsgefangenschaft. In einem Lager in Arkansas erhielt er wichtige künstlerische Impulse von einem Mitgefangenen, der Unterricht in Deutsch und Kunstgeschichte gab und sein Talent entdeckte. 1946 wurde der seit fünf Jahren per Ferntrauung verheiratete Geisen nach Würzburg entlassen und arbeitete in der zerbombten Stadt als Dekorationsmaler und Grafiker. Ende der 1940er-Jahre siedelte er nach Dortmund über, wo er in der Werbung tätig war. Nebenbei zeichnete er für die «Westfälische Zeitung», die ihn schliesslich 1957 als Karikaturisten anstellte. 1967 zog Hans Geisen, inzwischen zweifacher Vater, nach Basel – und blieb. Bis zu seinem Tod 1992 arbeitete er als festangestellter Karikaturist bei der «National-Zeitung», die 1977 mit den «Basler Nachrichten» zur «Basler Zeitung» fusionierte.
Vor zwei Jahren schenkte Geisens Sohn Johann Wolfgang dem Cartoonmuseum Basel den Nachlass seines Vaters mit über 8000 Zeichnungen und Bildern sowie Tagebüchern und Fotografien. Inzwischen hat das Cartoonmuseum Basel diesen Nachlass aufgearbeitet und ermöglicht mit der Ausstellung «Weltansichten» einen vertieften Einblick in das Schaffen des bekanntesten Basler Karikaturisten. «Weltansichten» wurde kuratiert vom Journalisten Willi Herzig, der 20 Jahre lang das Ressort International der «Basler Zeitung» leitete und Hans Geisen persönlich kannte.
Bibliografie
Geisen, Hans: Heitere Striche. Karikaturensammlung von 1957–1965 (Westfälische Rundschau)
Geisen, Hans: Politische Karikaturen. Karikaturensammlung von 1958–1967 (Verlag Wulff & Co. Dortmund)
Geisen, Hans: Politische Karikaturen. 16 Jahresbände, 1969-1984, (Band 1-11 Tor-Verlag zu Basel, Band 12-16 Basler Zeitung)
Geisen, Hans: Frühling in Kischinen, (Nova Press AG), Zürich 1977
Geisen, Hans und Lembke, Robert: Bellen und Beissen, (F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung), München und Berlin, 1978 
Geisen, Hans: 25 Jahre Politische Karikaturen 1958–1983, (Basler Zeitung) Geisen, Hans: 30 Jahre Politische Karikaturen 1958–1988, (Basler Zeitung) 
Geisen, Hans: Ein Rabe in Basel. Basler Karikaturen von Hans Geisen. Mit einem Vorwort von –minu, (Spalentor Verlag)
© Hans Geisen, 1988 Sammlung Cartoonmuseum Basel
© Hans Geisen, 1980 Sammlung Cartoonmuseum Basel
© Hans Geisen, 1973 «Noch nicht erloschen» Sammlung Cartoonmuseum Basel
© Hans Geisen, 1987 «Gorbatschows Reform von hinten» Sammlung Cartoonmuseum Basel
Porträt Hans Geisen, 1968 Fotografie © Staatsarchiv Basel-Stadt
© Hans Geisen, 1980 Sammlung Cartoonmuseum Basel