Carlfriedrich Claus

Carlfriedrich Claus - Geschrieben in Nachtmeer
17. September bis 20. November


Carlfriedrich Claus (1930 - 1998) ist ein ostdeutscher Künstler, der in der Schweiz noch zu
entdecken ist. Als pazifistischer Kommunist lebte und arbeitete der Zeichner und Schriftstel-
ler seit den 1950er Jahren zurückgezogen in der DDR (Annaberg und Chemnitz). Er wurde
vom Staatssicherheitsdienst überwacht und weigerte sich trotzdem nach Westdeutschland
auszureisen. Unter schwierigen äusseren Bedingung- en ist ein höchst eigenständiges künst-
lerisches Werk entstanden, das introvertiert anmutet und doch Impulse aus aller Welt verar-
beitet, von Klee und Lissitzky über die Kabbala und Mystik bis zum Informel und zur visuel-
len Poesie.

Die eigenwillige Mikroschrift von Claus' meist kleinformatigen und dichten Sprachblättern
zieht das denkende Betrachterauge gleichsam in sich hinein. Claus schrieb und zeichnete
oft beidseitig auf transparente Papiere, als These und Antithese sozusagen, die er auch zu
grossen Plexiglasinstallationen ausbaute. Seine langjährigen lautpoetischen Experimente
führten schliesslich zu Produktionen mit Rundfunkanstalten und Theatern.

Claus war ein Künstler-Philosoph, dem es um die «Naturalisierung des Menschen und die
Humanisierung der Natur» ging. Als universell Denkender wurde er auch als der zu Joseph
Beuys ergänzende Pol in der deutschen Kunst bezeichnet. Lange weitgehend isoliert und
im Westen dennoch nicht unbekannt, suchte er seine Vorstellung einer inneren Freiheit in
einem künstlerischen Kosmos von Wort, Bild und Klang zu verwirklichen. Kommunismus als
Utopie bedeutete für Claus «die Überwindung einer Entfremdung des Einzelnen von sich
selber, von der Welt und von den anderen Menschen».

Die Ausstellung umfasst rund 160 Zeichnungen und Grafikblätter von den 1950er bis 1990er
Jahren, schriftliche und filmische Dokumente sowie eine interaktive Lautinstallation.

In Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste, Berlin

Kurator: Matthias Flügge

Aus der Sammlung
Ergänzend zur Hauptausstellung Claus sind Werke der Sammlung und Leihgaben aus Privatbesitz zu sehen u.a. von Josef Herzog, Roman Opalka, Dieter Roth, Philippe Schibig, Mark Tobey, Antoni Tàpies.
© Foto Kunsthaus Zug