Das Waadtland zu Gast in Zug

Werke aus dem Musée cantonal des Beaux - Arts
de Lausanne und dem Kunsthaus Zug

31. August bis 17. November 2013


Die Ausstellung Das Waadtland zu Gast in Zug führt Arbeiten aus den Sammlungen des
Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne und des Kunsthauses Zug zusammen und
richtet den Fokus auf ausgewählte Schwerpunkte beider Kollektionen. Sie ist die dritte
einer Reihe, nach Kooperationen mit den Kunstmuseen Luzern (2008) und Solothurn
(2011). Sie wird sich von diesen deutlich unterscheiden, da es in Lausanne Sammlungs-
schwerpunkte gibt, die im Kunsthaus Zug gar nicht vertreten sind, etwa die wunderba-
ren älteren Landschaftsdarstellungen, die in einer französischen Tradition stehen, oder
die atemberaubenden expressiven Malereien Louis Soutters.

Diese Art von Sammlungspräsentation kann als modellhafte Zusammenarbeit zweier
Schweizer Kunstmuseen mittlerer Grösse angesehen werden. Sie führen über die Gren-
zen einer engeren Region hinweg, um das Potenzial zweier historisch gewachsener
Sammlungen zu aktivieren, um Kontraste und Korrespondenzen zwischen ihnen aufzu-
zeigen und sie dialogisch gegenüberzustellen.
Das Lausanner Musée cantonal des Beaux-Arts im Palais de Rumine geht auf den
Waadtländer Aquarellisten Louis Ducros (1748–1810) zurück, der zu Beginn des 19.
Jahrhunderts – nach einer erfolgreichen Karriere als Künstler in Italien – die Gründung
einer Zeichenschule in Lausanne anregte, was schliesslich zu einem ersten, 1841 voll-
endeten Museumsbau führte, dem Musée Arlaud.

Wie in Zug im Bereich des Schweizer Surrealismus oder der Fantastik, gibt es in Lausan-
ne spezifische Werkkomplexe, die sich in einen nationalen und internationalen Kontext
einbetten lassen. Das mcb-a verfügt über einzigartige Bestände von Künstlern wie Fran-
çois Bocion, Félix Vallotton, René Auberjonois, Marius Borgeaud und Louis Soutter.
Skulptur und damit der Körper sowie der fragmentierte Körper ist ein weiteres Thema
der Ausstellung, ausgehend von der wichtigen Rolle des österreichischen Bildhauers Fritz
Wotruba in der Zuger Sammlung, mit Gegenstücken in Stein und Bronze von Künstlern wie
Auguste Rodin, Edgar Degas, Antoine Bourdelle oder Bruce Nauman aus Lausanne. Die
internationale Avantgarde der Zwischenkriegszeit und die zeitgenössische Kunst sind mit
bedeutenden Werken aus beiden Sammlungen vertreten.

In Lausanne wie in Zug spricht man über neue Museumsbauten, da die Platzverhältnisse
in beiden Häusern beengt sind und die Raumprobleme am heutigen Standort nicht gelöst
werden können. In Lausanne soll der Entwurf von Barozzi Veiga, Barcelona, realisiert
werden, der im Kunsthaus Zug im Modell und mit Plänen vorgestellt wird. In Zug soll auf
dem ehemaligen Areal des Kantonsspitals ein neues Kunsthaus entstehen. Ein städtebau-
licher Studienauftrag dient als Grundlage für einen Bebauungsplan, der ein Ensemble aus
Wohnen, Kunst und Hotel vorsieht. Der prämierte Studienauftrag für den Bebauungsplan
von Renzo Bader Architekten, Zug, ist mit Plänen und im Modell in der Ausstellung präsent.
Über den Dialog zweier Sammlungen hinaus bietet diese Ausstellung deshalb auch die
Gelegenheit, sich über den Umgang mit historisch gewachsenen öffentlichen Sammlungen
Gedanken zu machen, die zusammen mit den Bauten, in denen sie untergebracht sind,
die kulturelle Identität eines Orts definieren.

Begleitend zur Ausstellung im Kunsthaus Zug und aus Anlass der Präsentation des Kan-
tons Waadt an der Zuger Messe macht das Kunsthaus Zug mobil mit der Ausstellung Das
Waadtland zu Gast in Zug. Seesicht vom 12. bis 27. Oktober seinen 33. Halt auf dem Zu-
ger Bossard Arena-Platz. In diesem mobilen Ausstellungsraum sind historische und zeit-
genössische Werke mit Bezug zum See und zum Wasser von François Bocion, Emil Dill,
Tadashi Kawamata, Claudia Renna und Roman Signer, die eine weitere Verbindung zwi-
schen dem Waadtland und Zug herstellen.

Kurator: Marco Obrist
François Bocion (1828 - 1890)
François Bocion et sa famille à la pêche, 1877
Huile sur bois, 32 x 48.5 cm
Lausanne, Musée cantonal des Beaux-Arts
Photo: J.-C. Ducret, Musée cantonal des Beaux-Arts, Lausanne
Henri de Toulouse-Lautrec (1864 - 1901)
Elles-Mappe, Blatt 1: La Clownesse assise, 1896
(Mademoiselle Cha-U-Kao)
Lithografie auf Velin, 55.5 x 46 cm
Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm
Foto: Kunsthaus Zug / Alfred Frommenwiler
Marius Borgeaud (1861 - 1924)
La table et les deux bols (Fleurs et Vase), 1922 ,
Huile sur toile, 65.5 x 81 cm
Lausanne, Musée cantonal des Beaux-Arts
Photo: J.-C. Ducret, Musée cantonal des Beaux-Arts, Lausanne
Félix Vallotton (1865 - 1925)
Le Mensonge. Intimités I, 1897 ,
Gravure sur bois sur papier japon teinté, 5/5, 2e état, 30.5 x 36.7 cm
Lausanne, Musée cantonal des Beaux-Arts
Photo: J.-C. Ducret, Musée cantonal des Beaux-Arts, Lausanne
Emile-Antoine Bourdelle (1861 – 1929)
Tête d'Apollon, 1900
Fonte sur Bronze partiellement doré, 67 x 23 x 30 cm
Lausanne, Musée cantonal des Beaux-Arts
Photo: J.-C. Ducret, Musée cantonal des Beaux-Arts, Lausanne
Meret Oppenheim (1913 - 1985)
Nuages, 1953
Öl auf Leinwand, 37 x 50.5 cm
Kunsthaus Zug
Foto: Kunsthaus Zug / Alois Ottiger
Serge Brignoni (1903 - 2002)
Figure embryonnaire, 1931
Kalkstein, 50.5 x 19.5 x 10 cm
Kunsthaus Zug