Moderne Meister.

«Entartete» Kunst im Kunstmuseum Bern
07.04.2016 - 21.08.2016

In der Ausstellung «Moderne Meister. ‚Entartete‘ Kunst im Kunstmuseum Bern» steht erstmals die Erwerbungsgeschichte der eigenen Sammlung im Zentrum. Gezeigt werden Meisterwerke von Pablo Picasso bis August Macke unter dem Blickwinkel ihrer Herkunft, die in ein dunkles Kapitel der Geschichte führt. So gibt es darunter Werke, die von den Nationalsozialisten als «entartet» aus deutschen Museen entfernt wurden. Die Ausstellung soll exemplarisch Einblick in die eigene Forschung geben und das komplexe Thema der Provenienzfrage anschaulich vermitteln.

Das Kunstmuseum Bern verfügt über eine bedeutende Sammlung von Werken der Klassischen Moderne. Diese Werke hat das Museum nur zu einem geringen Teil selbst erworben. Die meisten wurden dem Haus geschenkt, vererbt oder als Stiftungsgut zur Verfügung gestellt. Wie alle öffentlichen Sammlungen stellt sich dem Kunstmuseum Bern damit die Aufgabe, die Geschichte seiner eigenen Werkbestände zu erforschen und darzustellen. Dass das Kunstmuseum Bern als Erbe von Cornelius Gurlitt eingesetzt wurde, macht diese Auseinandersetzung für Bern besonders dringlich.

Die Ausstellung soll zeigen, wie die international herausragende Sammlung von Werken moderner Meister im Kunstmuseum Bern zusammengesetzt ist. Und über welche Wege Werke, die während der Diktatur der Nationalsozialisten im Deutschen Reich diffamiert und als «entartet» veräussert und teilweise zerstört wurden, ins Kunstmuseum Bern gekommen sind. Zugleich gibt diese Sammlungssichtung den Anlass, nach den Umständen zu fragen, die letztlich zu starken Kulturgutverlusten sowohl deutscher Museen als auch privater Sammler geführt haben.

Hintergrund
Seit 1938 galt im Deutschen Reich ein «Gesetz über Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst», das im Nachhinein die Beschlagnahme deutscher Museen legitimierte, die seit 1937 rücksichtslos durchgeführt wurden. Die als «entartet» klassifizierte Kunst wurde zu zigtausenden aus deutschen Museen beschlagnahmt und entweder möglichst gewinnbringend verkauft oder zerstört. Dabei handelte es sich um Werke von jüdischen Kunstschaffenden sowie um Kunst, die in den Augen der Nationalsozialisten als «jüdisch» oder «bolschewistisch» beeinflusst galt. Was vom Deutschen Reich als «Entartete Kunst» diffamiert und ausgesondert wurde, wurde in der Schweiz als «Werke moderner Meister» geschätzt und angeboten. Der Titel der Ausstellung ist angeregt durch eine historisch bedeutsame und gut erforschte Auktion, die im Juni 1939 in der Galerie Fischer in Luzern stattgefunden hat: «Gemälde und Plastiken moderner Meister aus deutschen Museen».

Ausstellung 
Im Vordergrund der Ausstellung steht die Auseinandersetzung mit Kunstwerken, die im Deutschen Reich als «entartet» galten und die nach 1933 in den Besitz des Kunstmuseums kamen. Darunter Werke von Franz Marc, Ernst Barlach, August Macke und vielen weiteren namenhaften Künstlern. Gezeigt werden 70 Objekte, darunter eine Auswahl von 53 Gemälden, Papierarbeiten und Plastiken Moderner Meister aus der eigenen Sammlung - chronologisch nach Sammlungseingang geordnet. Sieben der ausgestellten Werke waren bis 1937 Teil von Museumssammlungen in Deutschland. 

Die Ausstellung gliedert sich in einzelne thematische Bereiche, die versuchen Antwort zu geben auf Fragen wie: «Was sollte ‚Entartete‘ Kunst sein?», «Wie reagierte die Schweiz kulturell auf die Bedrohung durch Deutschland?» oder «Wie wurden Kunstwerke aus deutschen Museen in der Schweiz verkauft?». Weitere Bereiche sind Künstlern gewidmet, die unter der Diktatur in Deutschland zu leiden hatten und in besonderer biografischer Beziehung zur Schweiz standen, so Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee und Otto Dix. 

Der zur Ausstellung und im Rahmen eines umfassenden Forschungsprojektes entstandene Katalog dokumentiert 525 Werke der Sammlung des Kunstmuseum Bern nach dem derzeitigen Stand des Wissens bezüglich ihrer Provenienzen. Zugleich macht das Forschungsprojekt deutlich, dass noch viel Arbeit zu leisten ist, um die Wege sämtlicher Kunstobjekte vom Künstleratelier bis ins Kunstmuseum Bern darzulegen. Die Ausstellung sowie der Katalog «Moderne Meister – ‚entartete’ Kunst im Kunstmuseum Bern» stellen somit den Auftakt der bevorstehenden umfangreichen Provenienzforschung des Kunstmuseum Bern dar.
Ernst Ludwig Kirchner
Alpsonntag. Szene am Brunnen, 1923–1925
Öl auf Leinwand, 168 x 400 cm
© Kunstmuseum Bern
August Macke
Gartenrestaurant, 1912
Öl auf Leinwand, 81 x 105 cm
Hermann und Margrit Rupf-Stiftung,
© Kunstmuseum Bern
Ernst Ludwig Kirchner
Dünen und Meer, Fehmarn, 1913
Öl auf Leinwand, 90,5 x 120,5 cm
© Kunstmuseum Bern
Franz Marc
Waldinneres mit Vogel (Taube), 1912
Öl auf Leinwand, 101 x 90,5 cm
© Kunstmuseum Bern, Stiftung Othmar Huber, Bern
Ernst Barlach
Begegnung (Wiedersehen), 1924/1926
Bronze, H 48 cm
© Kunstmuseum Bern, Stiftung Othmar Huber, Bern
E. H. William Wauer
Der Blitzreiter, 1923
Metall, H 16,3 cm
Schenkung Nell Walden, Bern
© Kunstmuseum Bern
Paul Klee
Tor im Garten, 1926
Ölfarbe auf Karton auf Keilrahmen genagelt;
originale, gefasste Rahmenleisten, 54,7 x 44 cm
Sammlung Professor Dr. Max Huggler –
Schenkung 1966
© Kunstmuseum Bern
Paul Camenisch
Frühlings Erwachen (Selbstbildnis), 1926
Öl auf Leinwand, 116 x 86 cm
Geschenk Charles Woerler, Bern
© Kunstmuseum Bern
BILD 2
Lovis Corinth
Selbstbildnis, 1923
Öl auf Karton, 70 x 85 cm
© Kunstmuseum Bern, Staat Bern