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Schweiz

Lopito Porträt

José López Alvarez (Lopito) überraschte 1966 viele, die ihn bisher nur mit der Filmkamera bewaffnet gesehen hatten, mit einer gediegenen Ausstellung von 15 Ölgemälden, 2 Temperas und 15 Tuschzeichnungen. Nur wenige wussten, dass dieser Künstler, geboren am 10. Juli 1924, Malerei- und Bildhauerei in San Alejandro studiert hatte. Lopito war, selbst für einen guten Teil seiner Freunde und Kollegen, eigentlich für seine filmischen Arbeiten angesehen, die er etwa 1951 mit den jungen Publizisten Seyler und Catasús - spezialisiert in Fotoanimation - in den Kinowa Studios begonnen hatte. Einige Jahre später wechselte Lopito in die Filmabteilung vom CMQ -TV (Fernsehen) über, wo er als Kameramann die verschiedensten Ereignisse der konvulsiven Batista-Epoche dokumentierte. Er war - zum Beispiel - beim Drama in der Botschaft von Haiti zugegen, wo von den Häschern Salas Cañizares (der schwer verwundet wurde und später verstarb) und mehrere Revolutionäre, die dort Asyl gefunden hatten, niedergemetzelt wurden. Er filmte ausserdem zahlreiche von der FEU (Studentenvereinigung der Universität) einberufene Schnellversammlungen, sowie andere Studentendemonstrationen jener Epoche, die fast immer mit einer brutalen Vergeltungsmassnahme der Polizei endeten.
José López ist einer der wenigen kubanischen Maler, der der Landschaft treu geblieben ist. Er ist ein Besessener der Hügel. Wir haben ihn sehr leidenschaftlich von diesen kubanischen Naturschönheiten sprechen hören. Bei ihm findet man die besondere Gegebenheit, die eben diese tiefgründige und beharrliche Treue zeigt. Schon zu seiner Studentenzeit an der alten Akademie von San Alejandro war Lopito ein Begeisterter der Landschaft, jedoch liess er sich niemals von leichtfertigen und trügerischen Pinselstrichen fangen. Schon in jenen Lehrjahren trat er ungestüm für chromatische Gewaltsamkeit auf, die einen regenbogenartigen Schlag auf die versüsste Palette der "Akademiker" bedeutete. Lopito blieb bis Anfang der fünfziger Jahre versessen dabei Landschaften zu malen. Ab diesem Zeitpunkt stellt sich eine langanhaltende Pause bis zum Jahr 1966 ein.
Aber diese ganze Mühe, weit von der Malkunst entfernt, offenbart den ernsthaften und mutigen Willen dieses bescheidenen kubanischen Künstlers, der alles, was er macht, mit ausserordentlichem Interesse tut. Nach dem Sieg der Revolution trat Lopito dem Instituto Cubano del Arte e Industria Cinematográfica (ICAIC) - bei, wo er eine fruchtbringende Arbeit leistete; er nahm an den Dokumentarfilmen Nace un bosque, Posición I, Por primera vez und den Spielfilmen: Cumbite, La muerte de un burócrata, Un día en el solar, Tránsito, Nosotros la música und Una pelea contra los domonios, teil. Gleichfalls hat er Nachrichten für das ICAIC und ICRT (Instituto Cubano de Radio y Televisión) gedreht.
Ohne diese Tätigkeiten zu vernachlässigen, hat Lopito erneut zum Pinsel gegriffen, um uns vielfältige Landschaften von Baracoa, Viñales, Trinidad, Santiago de Cuba, Cienfuegos, Guanabacoa und Regla nahe zu bringen.
Als Kameramann vom ICAIC durchquerte er erneut die kubanische Landschaft und das Grüne, das Rote, das Gelbe, das Blaue fingen an, die Vielfalt seiner Interessen zu erwecken, und der schlafende, nicht gestorbene Kobold, hat ihn wieder zur Malerei angereizt, was bei Lopito Landschaftsmalerei bedeutet. Häuseransammlungen, Schlupfwinkel alter Städte, Kaffeetrocknungsanlagen, Palmenwälder, Hügel usw. erneuerten die alte Sarabande auf der Leinwand.
Neben seinen unzähligen Ausstellungen im In- und Ausland hat er auch immer wieder spezielle Anlässe und Örtlichkeiten für seine Werke gefunden: eine im Parque Lenin (25 Bilder) und die andere mit 35 Werken in der Galerie der UNEAC (Künstler und Schriftstellerverband Kubas), hinzu kommt seine Teilnahme an anderen kollektiven Ausstellungen wie: Salón 70 de Bellas Artes und Primer Salón 26 de Julio. Oder eine Ausstellung mit Themen, die, das Schriftstellerwort abwandelnd, "auf der Palette geblieben sind": Bilder der Vergangenheit - Stadtviertel und Unterkünfte der Armen - Überbleibsel dessen, was verschwindet, sowie die von der Revolution hervorgerufene Veränderung unserer Landschaft.
Der kubanische Van Gogh, wie Lopito von vielen Kunstliebhabern auch genannt wird, arbeitet in diesem malerischen Genre mit einer sehr persönlichen Methode und mit gut definierten Leitlinien. Es ist eine sehr starke und erquickende Landschaft ohne menschliche Präsenz. Jedes seiner Werke beginnt mit einer Bleistiftskizze, die zur Tusche, danach zur Tempera und zuletzt zum Ölgemälde führt, dabei den Spachtel und dicke Farbschichten benutzend.
Lopito hat sich auch im Holzschnitt versucht und war, gemeinsam mit Carmelo, Peñalver und anderen, Gründer der Vereinigung der Grafiker Kubas; er hat an verschiedenen Salons in Kuba und Mexiko teilgenommen.

 
Auch im Ausland wird sein Schaffen hoch geschätzt; seine Werke waren an der Universität von Tampa (1951), der Universität von Mexiko (1952) und in der sehr erfolgreichen Ausstellung Pintura Comprometida, in Bulgarien (1973) zu sehen.
Die Bilder von Lopito sind in der ganzen Welt zu finden, vor allem in Kanada, den Vereinigten Staaten, Bulgarien und in Italien. Er gehört der UNEAC (Verband der Künstler und Schriftsteller Kubas), Sektion Bildende Künste, als leitendes Mitglied an und widmete sich in ihrem Atelier der Lithographie.
Lopito hatte als Kameramann beim ICAIC die Möglichkeit, den historischen Moment zu erleben, als die Bauern der Sierra Maestra zum ersten Mal eine Filmvorführung geniessen konnten. Ein Spektakel, dass viele von ihnen nicht einmal vom Hören kannten. Es soll daran erinnert werden, dass dieser denkwürdige Augenblick durch den Dokumentarfilm Por primera vez festgehalten wurde. Eben von dieser schönen Arbeit schuf Lopito eines seiner frischesten und vibrierendsten Gemälde.
Von dieser bergigen Gegend hinterliess er zahlreiche Skizzen der imponierenden Landschaften und über die von der Revolution in der dortigen Gegend eingeweihte Schule. Sein Bild nennt sich ebenso Por primera vez und inmitten der dicken grünen Farben erscheint flatternd die kubanische Fahne als Zeichen der Freiheit, und das ganze Bild wirkt wie eine kleine Hymne des revolutionären Werkes auf dem Gebiet der Erziehung. Diejenigen, die seine Bilder in der Galerie vom Parque Lenin anschauen konnten, erhielten daher nicht nur eine Lektion guten Malens, sondern auch einen direkten politischen und hoffnungsvollen Aufruf.
Er bereiste Deutschland, die Tschechoslowakei, Argentinien, Chile, Uruguay, Mexiko, Brasilien, Venezuela, Peru, die Vereinigten Staaten und andere Länder, um - wie die "Gaceta de Cuba", Juni 1974 sagt - immer zu seiner kubanischen Landschaft und seiner verführenden Weise sie darzustellen, zurückzukehren.