Segantini Sonderausstellung

Leben - Natur - Tod

In dem majestätischen Alpentriptychon Leben - Natur - Tod
(Werden - Sein - Vergehen) realisierte Segantini eines der
letzten sinnstiftenden Programmbilder der Epoche. Es ent-
wirft das Bild menschlicher Existenz in harmonischem Ein-
klang mit der Natur. Seit 1897 plante der Meister ein gigan-
tisches Alpenpanorama für die Pariser Weltausstellung von
1900, das in einem vom Künstler entworfenen Pavillon prä-
sentiert worden wäre. Das Vorhaben scheiterte an den ho-
hen Kosten. Schliesslich fügte Segantini die zwei 1896 be-
gonnenen Bilder Leben und Tod mit dem neuen Mittelstück
Natur zu einer Einheit zusammen.

Zusammen mit dem monumentalen Alpentriptychon La vita -
la natura - la morte (oder: Werden - Sein - Vergehen) sowie
Gemälden der eigenen Sammlung wie La raccolta del fieno
(Die Heuernte) oder La portatrice d'acqua (Die Wasserträge-
rin) ist mit der herausragenden Werkgruppe der Otto Fisch-
bacher/Giovanni Segantini Stiftung im Segantini Museum in
St. Moritz das weltweit umfassendste und bedeutendste En-
semble des grossen Erneuerers der Alpenmalerei zu sehen.

Der St. Galler Textilindustrielle Otto Fischbacher erwarb die
zwölf Werke zwischen 1920 und 1950. Sie stellen das Schaf-
fen Giovanni Segantinis ausfuehrlich vor, wobei der Hauptak-
zent mit sechs Gemaelden auf der Savogniner Periode (1886-
1894)
Sonderausstellung

10. Dezember 2011 bis 20. April 2012

Guest of Honour

Das Segantini Museum freut sich, das grosse Gemälde Früh-
ling in den Alpen von Giovanni Segantini als "guest of honour"
eine Zeitlang beher­bergen zu dürfen. Das macht Sinn, weil
das Segantini Museum die grosse Entwurfszeichnung zu die-
sem Bild besitzt und zum ersten Mal der direkte Vergleich zwi-
schen Skizze und Gemälde möglich ist. Auch der Vergleich mit
dem linken Gemälde des Alpentriptychons La Vita (Werden),
das zur gleichen Zeit entstanden ist, ist aufschlussreich. Beide
Bilder zeigen vom gleichen Standort aus unterschiedliche An-
sichten der Bergeller Bergwelt.

Der in München ansässige, amerikanische Maler Toby E. Ro-
senthal (1848-1917) bestellte bei seinem Künstlerkollegen
Segantini ein grossfor­matiges Gemälde für die Stern Gallery
in San Francisco. Segantini stellte Frühling in den Alpen im
Frühjahr 1897 fertig, um es an einer Ausstellung der Seces-
sion im Glaspalast in München zu zeigen.

Von 1926 bis zum September 1999 befand sich der Frühling
in den Alpen als Leihgabe der Sammlung Jacob Stern im Fine
Arts Museum in San Francisco. Dann gelangte das Werk durch
Erbschaft in den Kunsthandel, wo es im November 1999 bei
Christie's in New York verauktioniert und von der Firma French
& Company, New York, erworben wurde.
Frühling in den Alpen

Das Bild zeigt im Vordergrund ein Hochplateau ausserhalb
des Dorfes Soglio mit der Aussicht auf die imposante, schnee-
bedeckte Kette der Berge im Hintergrund. Die Landschaft mit
dem strahlend blauen Himmel und den Wolkenbändern zeich-
net sich durch eine reiche Koloristik und eine von einem kla-
ren Licht erfüllte Atmosphäre aus.
Hauptmotiv ist die junge Bäuerin, welche die beiden angeschir-
rten Pferde auf einem Weg vom Acker wegführt. Ein säender
Bauer, ein war­tender Hund und ein Holztrog, in den das Quell-
wasser sprudelt, sind Staffageelemente, die den Vordergrund
beleben. Rechts im Mittelgrund erkennt man den Kirchturm
und die Häuser von Soglio, wo Segantini seit seiner Niederlas-
sung in Maloja mit Vorliebe die Wintermonate verbrachte.