Giovanni Segantini - Die beiden Mütter (Le due madri)

8. Juni bis 20. Oktober 2013

Einmal mehr kann das Segantini Museum wieder mit dem Auftritt eines der grossen
Hauptwerke des Künstlers aufwarten. Für St. Moritz, das Engadin und Graubünden
ist es zweifellos ein besonderes Ereignis, wenn Giovanni Segantinis bedeutende und
populäre Gemälde Die beiden Mütter (Le due madri) von Anfang Juni bis Ende Ok-
tober 2013 im Segantini Museum in St. Moritz im Original zu bewundern ist. Das
selten ausgeliehene Werk in der Sammlung der Galleria d’Arte Moderna in Mailand
verlässt für einmal seinen angestammten Platz und gastiert als «Guest of Honour»
für fast fünf Monate im Engadin. Das Gemälde aus Mailand steht zwar im Zentrum
der Betrachtung, bietet aber Anlass, darüber hinaus die für Segantini so zentrale
Thematik der Mutterschaft vertieft zu veranschaulichen und darzulegen.

Das Thema der Mutterschaft spielt in Segantinis OEuvre eine zentrale Rolle. Während
die Werke aus der Zeit in der Brianza eher Genreszenen zeigen, welche die Welt
der armen Leute zum Inhalt haben und zwischen einer sentimentalen und ideali-
sierten Darstellung schwanken, erweisen sich die späteren Darstellungen von
verstärkt symbolistischem Gehalt. Das Gemälde Die beiden Mütter (Le due madri)
aus Mailand gehört nicht nur zu den Hauptwerken des Künstlers, sondern ist ein
Schlüsselwerk für die allegorische Darstellung der Mutterschaft. Segantini malte das
grossformatige Gemälde im Jahre 1889 während seines achtjährigen Aufenthaltes in
Savognin. Wie der Bildtitel unmissverständlich zum Ausdruck bringt, setzt der Künst-
ler die menschliche und die animalische Mutterschaft gleich und verweist damit
auf die Naturordnung und ihre universale Gültigkeit: Auf die Gebärerin und die Ma-
ter lactans. Gleichwohl differenziert Segantini die Gleichstellung und Nähe der Mut-
terschaft bei Mensch und Tier im selben Raum und streicht das Verbindende wie
das Trennende heraus.

Das zentrale Gemälde Die beiden Mütter (Le due madri) wird von wenigen anderen,
aber wichtigen Werken begleitet, die um das Thema der Mutterschaft kreisen. Dazu
gehört nicht nur das dem schweizerischen Publikum nicht vertraute Pastell Die
beiden Mütter aus den Niederlanden (The Mesdag Collection, The Hague), sondern
auch das gleich betitelte, bedeutende Gemälde aus dem Bündner Kunstmuseum,
das Segantini nach seinem Tod als Fragment zurückliess und das von Giovanni
Giacometti im Jahr darauf vollendet wurde. Aber auch die Werke der eigenen
Sammlung erscheinen in der direkten Gegenüberstellung mit dem Gemälde aus
Mailand in einem anderen Licht, zumal wenn sie mit diesem die Thematik oder
andere motivische Aspekte teilen. Dies ist sowohl beim Ave Maria bei der Überfahrt
wie beim Kreuzeskuss der Fall wie bei Vater ist tot, Meine Modelle oder beim Der
Engel des Lebens.
Le due madri (Die Beiden Mütter), Mailand
(c) Foto: Segantini Museum St. Moritz